Historie

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Aus der Vereinsgeschichte des MGV 1857 "Liederkranz" Herborn

Richtungsweisend für die Entwicklung der Herborner Gesangsvereine und als Geburtsjahr des organisierten Männergesanges ist sicherlich das Jahr 1828 anzusehen. Die machtvoll einsetzenden kompositorischen Aktivitäten großer Meister ließ es nicht mehr gutheißen, was sich auf dem Gebiet der edlen Sangeskunst tat. Man liebäugelte zwangsläufig mit dem Liedertafel-Stil, mit vier und mehrstimmigen Sätzen, um den Alltagsgesang durch den Kunstgesang zu ersetzen. Der mehrstimmige Gemeinschaftsgesang erforderte aber auch ein gewisses Maß an Disziplin. Einige Herborner Bürger erkannten dies, erwarben Notenmaterial und übtern sich im vierstimmigen Kunstgesang. Dies geschah im damaligen Haus Becker, in der Oberen Mühlgasse, an der Ecke zum Breiten Winkel. Damit war der Grundstein für den Chorgesang der Neuzeit gelegt.

Als Ursprung aller Herborner Gesangsvereine muss jedoch ein Quartett gesehen werden, dass sich aus Männern um Lehrer Anthes im Jahre 1828 bildete. Um dieses einfach besetzte Quartett scharten sich bald ernsthafte Leute und pflegten den Männergesang als bleibende Verpflichtung. Der junge Bäcker Peter Carl Bausch, der unter Anleitung von Lehrer Anthes zu einem musikalischen Talent heran wuchs, übte bereits vierstimmige Chorsätze mit den Herborner Männern ein. So wurde das Haus Bausch, am Breiten Winkel, zum ersten Übungslokal dieses recht jungen Gesangvereins. Dem heutigen "Liederkranz" bleibt es vorbehalten, die Bewahrung dieses ehrwürdigen Erbes als Verpflichtung anzusehen und zu behandeln.

Sollten sich zweifelnde Stimmen hier und da zu Wort melden, so können sie an dieser geschichtlichen Tatsache jedoch nichts ändern. Der im Jahre 1857 aus der Taufe gehobene Verein wurde von einstigen Mitgliedern des Männergesangverein gegründet und nannte sich Männergesangverein "Liederkranz". Der Besuch der Gesangstunden war ein sehr reger und immer größer wurde die Zahl der Mitglieder. So konnte man bereits im Jahre 1864 aus Vereinsmitteln eine Fahne anschaffen, die man im Rahmen eines schönen Sängerfestes weihen konnte. Als Dirigent leiteten den Verein bis 1889 die Herren Lehrer Hoffmann, Lehrer Becker, Gottfried Schuster, Wilhelm Weisgerber und Lehrer Blecher. Im Jahre 1862 bildete sich in Herborn ein weiterer Gesangsverein mit dem Namen "Concordia". Die kleine Stadt Herborn mit etwa 3000 Einwohnern, verfügte nunmehr über drei Gesangsvereine, den alten Männergesangverein, den MGV "Liederkranz" und den neu gegründeten "Concordia". In diese Zeit fällt ein bedeutendes Ereignis, das in der Geschichte des MGV "Liederkranz" nicht unerwähnt bleiben darf.

Der Verein hatte die große Ehre, im Jahre 1872 an einer Serenade für Kaiser Wilhelm I. mitzuwirken, der zu einem Kuraufenthalt in Bad Ems weilte. Zu Fuß und mit bespannten Leiterwagen war man einige Tage unterwegs, um dieser außerordentlichen Ehre nachzukommen.

Licht und Schatten liegen auch im Vereinsleben dicht beieinander. Neben den Zeiten schönster Erfolge bleiben auch dem MGV "Liederkranz" rege Zeiten nicht erspart. In den 90er Jahren des neunzehnten Jahrhunderts brachten durch häufigen Dirigentenwechsel und durch Fernbleiben der Sänger von den Übungsstunden einen bedrohlichen Leistungsabfall, ein Faktum übrigens, das auch in heutiger Zeit seinen Schrecken nicht verloren hat, so dass der Verein die Übungsstunden ganz einstellen musste. Fast ein ganzes Jahrzehnt dauerte dieser Zustand. Erst der Übergang der Gesangsriege das Turnverein´s Herborn in den MGV "Liederkranz" brachte wieder Bewegung in das Vereinsleben. Dies geschah im Jahre 1899. An dieser Stelle sei dem Turnverein 1846 Herborn ein großes Lob ausgesprochen, denn durch diese Maßnahme konnte der MGV "Liederkranz" wieder aktiv werden. Die Leitung des Vereins übernahm damals Herr Louis Weisgerber. Gemeinsam mit dem Quartettverein Herborn übernahm man 1901 das erste Bundesfest des Dill-Sängerbundes, verbunden mit einem Gesangswettstreit. Unter dem Weltkrieg hatte der Verein sehr zu leiden, denn 13 seiner Mitglieder war es nicht vergönnt, in den Kreis ihrer Lieben heimkehren zu dürfen. Nur mit Mühe und Not rettete sich der Verein über die Zeit des 1. Weltkrieges und die revolutionäre Nachkriegszeit. Unter der Stabfühurng des Herrn Kapellmeisters Dierick fand dann am 01. August 1920 der erste Liedertag des Dill-Sängerbundes, bei einer Beteiligung von 20 Vereinen in Herborn statt. Erst in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts erfreute sich der Verein wieder einer steigenden Popularität. Es waren Jahre des Erfolges und der Hochblühte durch ständigen Zuwachs sangesfreudiger Mitbürger.

Die politischen Geschehnisse der dreißiger Jahre blieben auch für den Verein nicht ohne Folgen. Durch die sogenannte "Gleichschaltung" der deutschen Vereine durch die NS Regierung ging die Sängerszahl spürbar zurück. Viele Sänger fühlten sich in ihrer Freiheit eingeengt und auch die einsetzende Aufrüstung hinterlies spürbare Folgen. Während des 2. Weltkrieges ruhte die bis dahin so erfolgreich sängerische Tätigkeit ganz. Nach Beendigung des Krieges unternahmen einige Sangesfreunde unter völlig neuen Bedingungen eine Neuordnung des Vereinswesens. Unter der Führung von Willi Koob nannte sich der Verein jetzt "Volkschor" und trug somit den Verordnungen der Besatzungsmacht weitgehend Rechnung. Schon 1946 durfte er sich bereits "Volkschor Liederkranz" nennen. In diese Zeit fällt auch der Entschluss der Sängervereinigung Herborn, sich mit allem Nachlass und sonstiger Habe dem "Liederkranz" anzuschließen. Das Erbe der Sängervereinigung und damit aller vorhergehenden Singvereine liegt beim "Liederkranz" in den besten Händen.

Die Feier seines 100jährigen Bestehens beging der "Liederkranz" im Rahmen einer Festwoche im Oktober 1957. Dieses Fest war naturgemäß schon nach neuzeitlichen Gesichtspunkte ausgerichtet, es fand seine Höhepunkte in einem Großkonzert in der Herborner Reithalle sowie in einem Festspiel "Silcherlied" gestaltet von einem Herborner Verfasser, Herborner Laienspieler und einem Doppelquartett aus den Reihen des Jubelvereins. Als ein herausragendes Ereignis erwies sich der freundschaftliche Kontakt mit den Sängern und der Knabenkapelle aus Dinkelsbühl. Hier konnte der "Liederkranz" wirkliche Triumpfe feiern. Leider ist diese Beziehung eingeschlafen und es bestehen nur noch einzelne, persönliche Beziehungen zu Einwohnern dieser herrlichen alten Stadt.

Die Vorsitzenden der Nachkriegszeit: Willi Koob, Georg Eutebach, Ludwig Eichert, Arthur Schlaudraff, Albert Debus, Heinrich Georg, Günter Langer und Heike Beate, die derzeitige Vorsitzende, haben schöne Stunden der Eintracht, der Harmonie und der gesanglichen Erfolge ihres Vereins erleben dürfen.

Mit der Gründung des Frauenchores, im Jahre 1994 kann der Verein sich einen weiteren Höhepunkt an seine Fahne heften. Nicht zu vergessen die dirigierende Hand der Chorleiterinnen und Chorleiter, die heute nicht mehr über die wesentlichen Dinge der Dichter und Komponisten hinweghuscht, sondern mit großer Sorgfalt auf die Feinheiten des Liedes achtet. Den Damen des MGV "Liederkranz" war es dann auch nicht mehr Zeitgemäß unter dem Namen MGV aufzutreten. So kam es im Jahre 2005 zu dem berechtigten Wunsch, eine kleine Namensänderung zu vollziehen. Es wurde in der Jahreshauptversammlung beschlossen, den Verein auf den Namen "MGV 1857 & FGV 1994 "Liederkranz" Herborn e. V." umzutaufen. Gleichzeitig zu dieser Maßnahme musste auch eine neue Satzung erstellt werden und zur Genehmigung dem Amtsgericht (Abt. Registergericht) vorgelegt werden. Nach einigem Hin und Her wurde der neue Name und die Satzung vom Amtsgericht Wetzlar, Außenstelle Herborn, genehmigt.

Was der "Liederkranz" im Dienste der Geselligkeit vollbrachte, darf nicht unerwähnt bleiben. Sängerbälle, die es früher gab, die alljährlichen Konzerte, mit und ohne Gastchöre, gesellige Zusammenkünfte sowie das öffentlche Maiansingen, welches auch heute leider nicht mehr durchgeführt wird. Freud und Leid geben Anlass zu Liedvorträgen. Die Feierlichkeiten anderer Vereine und öffentliche Anlässe fordern immer wieder den Verein zur Mitwirkung heraus.

Als kulturelle Höhepunkte der neuzeitlichen Vereinsgeschichte sollten die 100 Jahrfeier des Dill-Sängerbundes im Jahre 1997, in dem der Frauenchortag des Hessischen Sängerbundes in Herborn sattfand und der mit dem Einmarsch der Vereinsfahnen aller Vereine des Dill-Sängerbundes und einer Matinee der Frauenchöre auf dem Herborner Marktplatz seinen krönenden Abschluss fand. Nicht zuletzt die 750 Jahrfeier der Stadt Herborn im Jahre 2001. Hier konnten die Chöre aller Herborner Stadtteile ihr Bestes geben und dies auch in einem großen Konzert im Rahmen einer Opern air Veranstaltung auf dem Marktplatz darbieten. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass die Kinderchöre aus Herborn, Burg und Hörbach die Bühne ohne eine Zugabe nicht verlassen durften.

Dem MGV "Liederkranz" bleibt es vorbehalten, das Vermächtnis und die Verpflichtung zur Pflege des 150jährigen Sangeswesen in Herborns Mauern aufrecht zu erhalten.

Gemeinsam mit dem seit Mitte der 70er Jahre bestehenden MGV "Jugendfreunde" Herborn, wollen wir an dieser Verpflichtung festhalten und immer wieder versuchen, die Herzen der Menschen mit unseren Liedern zu erfreuen.

 

Auszugsweiser Text einer Niederschrift über das Singen in Herborn von Herrn Walter Schwahn wurde hier verwendet.

Verantwortlich für die Ausführungen:
Harald Kiebach

2. Vorsitzender des MGV 1857 & FGV 1994 "Liederkranz" Herborn e. V.

 

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